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Der Titel bleibt in der Familie (11. bis 15. September 2009)

Tobias Schell neuer König der Bürgerschützen Montjoie

Seine Majestät Tobias I. (Schell) mit Königin Julia

Monschau. „Der König ist tot – lang lebe der König!“ Am vergangenen Sonntag haben die „Bürgerschützen Montjoie“ ihren neuen Schützenkönig ausgeschossen. Der neue Mann heißt Seine Majestät Tobias I. und ist der Sohn des letzten Königs Lutz Schell. „So werden Dynastien begründet“, sagte denn auch der noch amtierende Ortsvorsteher der Altstadt Alexander Lenders.

Marschierende Schützen

Auf ihrem traditionellen Marsch zum Schießplatz Burgau wurden die Schützen von den Morsbacher Fahnenschwenkern, der „Musikvereinigung Montjoie“, dem Trommler- und Pfeiferkorps, von Abgeordneten der TURA Monschau und den Mannen der Freiwilligen Feuerwehr begleitet. Dort angekommen, wurde der scheidende Schützenkönig Seine Majestät Lutz I. durch die Abnahme der Königskette seines Amtes enthoben. Seine letzte Amtshandlung bestand in herzlichen Dankesworten und dem Wunsch, die Anwärter auf den nächsten Königstitel mögen ein scharfes Auge und eine ruhige Hand haben. Dass es sich bei einem der Anwärter um seinen ältesten Sohn Tobias handelte, ahnte da noch niemand.

Schießmeister Christoph Breuer spannt die Donnerbüchse ein

Nach mehreren Durchgängen mit der großen Donnerbüchse, die schon zu erheblichen Schäden am massiven Holzvogel geführt hatten, blieben nur noch drei ernsthafte Kandidaten im Rennen: Hans Peter „Pepe“ Koll, Heinz Mertens, der schon im vorigen Jahr bis zum letzten Schuss um den Titel gefochten hatte, und eben jener Tobias Schell. Der Achtzehnjährige kommt aus der Schießjugend der Bürgerschützen und hat dort bei Wettkämpfen mit dem Kleinkalibergewehr schon einige Ehren erworben. Erst vor kurzem volljährig geworden, konnte der junge Mann als vollwertiges Mitglied in den Hauptverein übernommen werden. Voller Selbstbewusstsein stellte er sich nun der Herausforderung, um die Nachfolge seines Vaters zu kämpfen.

Mit lautem Knall wird auf den massiven Holzvogel geschossen

 

Der Wettkampf war packend wie selten in der langen Geschichte des Vereins. Nach 131 Schüssen, rund vierzig mehr als in den meisten vergangenen Austragungen, war immer noch keine Entscheidung gefallen, denn ein kleiner Rest des Holzvogels befand sich immer noch an der Stange. Die Munition aber war aufgebraucht. Was nun? So etwas hatte es in der Vereinsgeschichte noch nicht gegeben. Obwohl rund vierzig Kugeln Reserve eingeplant waren, war das Unmögliche eingetreten. Woher sollten nun diese besonderen Kugeln kommen? Die Schützenkollegen aus Imgenbroich hätten gerne geholfen, aber auch sie hatten nichts mehr übrig. Schießmeister Christoph Breuer fällte eine Entscheidung: Statt der großen Donnerbüchse wurde ein Kleinkalibergewehr in die Schießvorrichtung gespannt. Die Jungs von der Feuerwehr halfen mit einem improvisierten Scheinwerfer, den Restvogel anzustrahlen, denn mittlerweile begann es zu dämmern, das kleine Ziel war immer schlechter zu sehen.

Bewirtung des neuen Königs

Obwohl es merklich abkühlte und auch noch zu regnen anfing, leisteten sich die Kontrahenten einen beeindruckenden Dreikampf. Durch das wesentlich kleinere Kaliber konnten bei Treffern nur jeweils kleinere Holzsplitter abgeschossen werden, sodass der Wettbewerb mit verstreichender Zeit immer mehr zur Zerreißprobe für die Nerven geriet.

Jetzt schlug die Stunde des erprobten Kleinkaliber-Schützens. Obwohl beide Gegner zum großen Teil ausgezeichnet schossen und vor allem eine sportliche Haltung bewiesen, konnte er durch deutliche Treffer nach insgesamt 272 Schüssen den Sieg erringen. Als der letzte Splitter weggeschossen war, durfte Tobias die Arme hochwerfen: Er hatte es geschafft und ist damit der jüngste Schützenkönig in der langen Geschichte der Bürgerschützen.

So lange hatte der Wettbewerb noch nie gedauert. Erst um 20.40 Uhr konnte die Inthronisation des neuen Königs stattfinden. Sichtlich geschafft und doch mit großer Ergriffenheit nahm Tobias an der Seite seiner Freundin und jetzigen Königin Julia die Ehrungen durch Ortsvorsteher Lenders und Vereinspräsident Georg Kaulen entgegen.

Bürgerschützen ziehen durch die Stadt

Dass die Jugend bei den Bürgerschützen erfolgreich ist und mehrere Male das begehrte Amt bekleidet hat, zeigt die Geschichte: Lange Zeit konnte Josef Hermanns, der 1955 mit 20 Jahren den Titel errang, für sich in Anspruch nehmen, jüngster Schützenkönig zu sein. 2003 kam dann Ralf Kaulen, heutiger Geschäftsführer des Vereins, der mit 19 Jahren den Königstitel erlangte. Tobias wird diesen Ehrentitel wohl lange behalten, denn es könnte schwierig werden, so schnell nach Erlangung der Volljährigkeit und Vereinsaufnahme erfolgreich zu sein. Außerdem wird er wohl in die Annalen eingehen als der erste Schütze, der in der direkten Nachfolge seines Vaters und mit einem Kleinkalibergewehr die Königswürde erkämpft hat – ein „Kleinkaliber-König“.