Was ist Neu | Aktuelles | Sitemap | Impressum | Kontakt

Der November ohne Bürgerschützen? Nicht ganz!

Der November steht bei den Bürgerschützen im Zeichen von Tradition und Brauchtum.

Unter Corona ist alles anders… (15. November 2020)

Volkstrauertag 2020
Volkstrauertag 2020

Volkstrauertag: Georg Kaulen steht bei der feierlichen Kranzniederlegung ganz allein am Ehrenmal und hält ein stilles Gebet für die Gefallenen der beiden Weltkriege, für die Opfer von Gewaltherrschaft und für alle, die auch in unserer Gegenwart ihr Leben lassen mussten – durch ihren Einsatz als Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr, aber auch als Opfer von Hass und Rassismus in der Welt.

Normalerweise ist er als Ortsvorsteher der Monschauer Altstadt dabei nicht allein: Normalerweise sind hier Abordnungen der Feuerwehr und der Bürgerschützen Montjoie vertreten, und normalerweise singt auch der Kirchenchor und spielt die Musikvereinigung Montjoie. Normalerweise.

Aber in diesen Zeiten ist alles anders. Das Corona-Virus krempelt unser ganzes Leben um: Gastronomen und Künstler bangen um ihre Existenz, Arbeitnehmer um ihren Arbeitsplatz. Wer Glück hat, der ist in Kurzarbeit und kann seine Arbeitsstelle behalten. Viele Menschen machen sich Sorgen um ihre – vor allem älteren – Familienangehörigen. Kinder können zwar in die Schule, aber sie müssen Masken tragen. Und sie wachsen auf mit Sorgen und Ängsten, die wir früher nicht kannten.

Auch der Monschauer Terminkalender hat sich gründlich geändert. Keine Monscher Kermes – das wiegt für viele, und nicht nur für die Bürgerschützen, am schwersten. Kein Happy Halloween, kein Weihnachtsmarkt, keine Klassik (oder eben Festival Monschau). Für die Schützen keine Ausübung des Schießsports, keine Begegnungen am Familienwandertag.

Hubertusessen
Hubertusessen
2019

Und der November? Für die Schützen mit der wichtigste Monat im Schützenjahr! Gleich drei Termine hatten ihn bislang immer ausgemacht: Am Anfang (7.11.) das Hubertusessen: Zu schmackhaftem Wild- oder Rindsgulasch traf man sich an diesem Abend traditionell im Kolpinghaus. Hier wurden Spiele gespielt, Musik gehört und vor allem eine große Tombola durchgeführt. Georg Kaulen moderiert sie in seiner Eigenschaft als Schützenpräsident seit vielen Jahren. Nicht nur die Bürgerschützen, sondern viele Monschauer lieben diese Begegnung. Seit einigen Jahren sind auch immer Gäste dabei: die Schützenfreunde aus Gemünd, mit denen uns eine lange Freundschaft verbindet, und die Freunde aus Rurberg, zu denen die freundschaftlichen Bande seit geraumer Zeit immer fester werden. Und alle genießen das Zusammensein, die gute Laune, den ausgelassenen schönen Abend.

Dem Brauchtum und ihrer Vaterstadt verpflichtet, stellen die Bürgerschützen immer eine Abordnung am Volkstrauertag (15.11.), wenn ihr Präsident in seiner Funktion als Ortsvorsteher den Toten gedenkt. Gemeinsam hält man am Ehrenmal inne, danach geht es noch auf einen Kaffee oder ein Kaltgetränk in eine Herberge. Auch hier werden Geschichten erzählt, wird das Zusammensein gefeiert. Die Bürgerschützen sind ein geselliger Verein.

Vergleichsschießen in Gemünd
Vergleichsschießen in Gemünd
2018

Zuletzt – am Totensonntag (22.11.) – das Vergleichsschießen mit Gemünd. Seit 63 Jahren trifft man sich, um sich sportlich zu messen und zu vergleichen. Die Schießsportgemeinschaft und die „Sonntagsschützen“ der Gemünder (sie trainieren am Sonntag, deshalb hat sich mehr und mehr diese Bezeichnung ergeben) führen dabei einen Wettkampf mit dem Kleinkaliber-Sportgewehr durch, wobei die Monschauer hier seit einigen Jahren eher die Favoriten sind. Aber das spielt gar keine, zumindest keine große Rolle. Entscheidend ist vielmehr das Treffen und gemeinsame Feiern, die Erzählungen, auch gegenseitige Unterstützung. Hier sind Freundschaften entstanden, auch doppelte Mitgliedschaften.

Dies alles fällt in diesem „Corona-Jahr“ aus. Der Volkstrauertag muss diesmal auf die Menschen verzichten, nur der Ortsvorsteher spricht sein Gebet. Ein November also fast ganz ohne die Bürgerschützen?

Weckmänner zu Sankt Martin 2020
Weckmänner zu Sankt Martin 2020

Nicht ganz! Zu Sankt Martin versorgten die Bäckerei LEO aus Imgenbroich und der Schützenverein der Altstadt in einer gemeinsamen Aktion die Bewohner und Mitarbeitenden des Maria-Hilf-Stifts mit 200 dicken Weckmännern. Die Bürgerschützen Montjoie wollten damit „ein Zeichen setzen“, erklärt der Geschäftsführer der Schützen Ralf Kaulen. Die Bäckerei LEO spendete das Traditionsgebäck zu Sankt Martin, die Schützen übernahmen die Lieferung. Und so luden Ralf Kaulen und sein Vater Georg die Kartons aus dem Auto und übergaben sie dem Küchenpersonal des Stifts.

„Wir wollen auf der einen Seite zeigen, dass es auch in diesen Zeiten noch das Brauchtum gibt“, erklärt Georg Kaulen. „Gleichzeitig wollen wir den Menschen hier im Stift eine besondere Freude bereiten.“ Es gehe der Bäckerei und den Monschauer Schützen darum, in diesen Zeiten den Senioren einen warmen Gruß zu schicken, aber auch denjenigen, „die sich kümmern und weit über das normale Maß hinaus für die Menschen sorgen“.

Regina Sörries-Gith und Micha Müller vom Seniorenstift freuten sich über die morgendliche Lieferung. Sie wissen, dass in Corona-Zeiten kleine Gesten eine große Wirkung haben können.

Und das ist, was uns in dieser Zeit bleibt: Im vergangenen Monat präsentierte Heinz Wimmer mit den Bürgerschützen seine wunderbare Kirmesorgel. In diesem Monat wird das Brauchtum zu Sankt Martin hochgehalten. Alles kleiner, alles weniger laut und beeindruckend. Aber der Gedanke an das Brauchtum bleibt. Und die mit ihm die Bürgerschützen. Wir alle hoffen auf unbeschwerte Tage.