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Ein Hauch von Kirmes in der Monschauer Altstadt

Einweihung der nostalgischen Kirmesorgel unter Corona-Bedingungen wird zum „Platzkonzert“ für die Bewohner des Altenheims

(11. Oktober 2020)

Nicht nur die Bürgerschützen Montjoie, sondern ausnahmslos alle Bewohner der Altstadt vermissen ihre geliebte Monscher Kermes, die in diesem Jahr coronabedingt entfallen musste, sehr. Gerade seitdem die Kirmes durch die Initiative „Monschauer Kirmes Anno Dazumal“ ihre ganz besondere Aufwertung erfahren hatte, befand sich das traditionelle Volksfest wieder im Aufwind: Clowns, Kleinkunst-Darbietungen und traditionelle Fahrgeschäfte hatten im Herzen der Altstadt ihren festen Platz gefunden, bildeten mit der Kulisse gleichsam die perfekte Symbiose.

In diesem Jahr blieb – wie überall in der Republik – der Monschauer Terminkalender leer: Alle möglichen Veranstaltungen mussten gestrichen werden. Das traf natürlich auch die Bürgerschützen hart, stehen sie doch für die Feierkultur der Stadt und organisieren Schützenfest und Kirmes. Aber auch alle anderen Altstädter fühlen sich durchaus getroffen, fehlt ihnen dieses Jahr doch ein besonderes Stück Monschau.

Christiane und Heinz Wimmer mit ihrer Kirmesorgel
Christiane und Heinz Wimmer mit ihrer Kirmesorgel

Unter ihnen: Heinz Wimmer, seit der letzten Generalversammlung aktives Schützenmitglied, den Monschauern aber schon durch sein wunderschönes Kinderkarussell bekannt, das er und seine Frau Christiane 2019 auf der Kirmes präsentierten. Die Beiden hatten sich auch auf dieses Jahr besonders gefreut, wurden aber durch die Pandemie ausgebremst. Weil im vergangenen Jahr die Begleitmusik zum Karussell noch aus dem Computer kam, Heinz und Christiane das aber „irgendwie nicht passend“ empfunden hatten, hatten sie sich auf die Suche nach einer historischen Kirmesorgel gemacht und waren in den Niederlanden fündig geworden. Das gute Stück stammt aus den frühen dreißiger Jahren, befand sich mittlerweile aber in einem traurigen Zustand. So wurden weder Mühen noch Kosten gescheut, um das Instrument nicht nur zum Klingen, sondern auch zum Strahlen zu bringen – farblich abgestimmt auf das schöne alte Karussell. „Wir hoffen natürlich auf bessere Zeiten“, so Wimmer, „damit wir auf der nächsten Monschauer Kirmes Karussell und Orgel gemeinsam auffahren lassen können.“ Denn, so stellt er fest: „Wir betrachten das als Kunst, beide Teile gehören zusammen.“ Damit alles perfekt harmoniert, lässt er die Lochkarten, auf die die Musik übertragen wird, eigens anfertigen.

Um das neue Instrument der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit einen Vorgeschmack auf die nächste Kirmes 2021 zu geben, hatten sich der stolze Orgelbesitzer und seine Frau in Schale geworfen: Im Kostüm eines traditionellen Zirkusdirektors präsentierten sie ihr wiedererwachtes Kleinod. Nicht nur bei der Präsentation des Musikprogramms spürten die Zuschauer, dass hier Kirmesverrückte ganz und gar in ihrem Element waren. „Wir wollten ausdrücklich nicht auf den zentral gelegenen Marktplatz, sondern hier für die alten Leute spielen“, berichtet Heinz Wimmer: „Denn sie leiden unter Corona am allermeisten.“

Die Bürgerschützen und die Kirmesorgel
Die Bürgerschützen und die Kirmesorgel

Und so staunten die Bewohner des Maria-Hilf-Stifts nicht schlecht: Vor ihrer Tür wurde eine historische Kirmesorgel gesegnet und eingeweiht. Heinz Wimmer und die Bürgerschützen Montjoie luden am Sonntag zu Corona-Zeiten zur musikalischen Darbietung.

Ein liebevoll restauriertes Kirmesinstrument, in den Niederlanden erworben und mit großer Liebe zum Detail wieder in Schwung gebracht, verbreitete weithin hörbar Kirmesklänge – und überall auf den Balkonen und in den Fenstern des Altenheims zeigte sich ein begeistertes Publikum. Auf einem zweiachsigen Anhänger aufgebaut, erzählte das wunderschöne Instrument mit Pfeifen und beweglichen Figuren nostalgisch von alten Zeiten.

Bevor es aber eingeweiht werden konnte, erhielt es seinen Segen von Christoph Weber, dem Hausgeistlichen des Maria-Hilf-Stifts. Er war neben Schwester Oberin Anjana, der Geschäftsführerin des Stifts, der offizielle Vertreter des Wohn- und Pflegeheims. Der Pfarrer betonte die Verbindung von Gotteslob und Musik und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die alte und neue Orgel den Menschen viel Freude bereiten möge – „gerade in heutigen, nicht einfachen Zeiten.“

Diesen Zeiten hatte man Rechnung tragen müssen: Die erschienenen Bürgerschützen hatten sich zuvor angemeldet und hielten den vorgeschriebenen Abstand ein. Trotzdem waren sie gekommen, auch um zu zeigen, wie ihr Präsident Georg Kaulen hervorhob, „dass die Schützen und die Monschauer Festkultur noch da sind.“ Er freute sich, dass die aktuelle Majestät Antonio Lourenco, der aufgrund der Corona-Pandemie zwei Jahre sein Amt ausüben wird, Ehrenkönig Lutz Schell sowie der Ehrenpräsident Guido Breuer bei dem Ereignis unbedingt dabei sein wollten; ferner bedankte er sich bei Heinz und Christiane Wimmer, die den Menschen der Altstadt mit ihrem Instrument „in schweren Zeiten ein bisschen Freude in die Herzen“ brächten.

Das Programm an diesem Nachmittag reichte vom geistlichen Lied („Großer Gott, wir loben Dich“) über Operetten- und Zirkusmusik bis hin zu deutschen Schlagern: Heinz Wimmer, Wahl-Monschauer und Karnevalist im traditionsreichen Oecher Storm, hatte seine neueste Erwerbung mit Hilfe seiner Schützenbrüder gleich vor der Tür des Maria-Hilf-Stifts aufgebaut, um das Senioren-Publikum zu erfreuen. So brachte er ein „Platzkonzert“ der besonderen Art in die besinnliche Altstadt und entführte sein Publikum ins Berlin der zwanziger Jahre mit Liedern von Paul Linke oder ins Wien der Jahrhundertwende (Johann Strauß Sohn: „Der Zigeunerbaron“). Mit dem wunderschönen Lied vom „Engelche van de Rues“, einer Welturaufführung in der Version einer Orgelmusik, brachte er einen Vorgeschmack auf die Weihnachtszeit; sicherheitshalber erläuterte er seinem Monschauer Publikum dazu die Geschichte vom Streuengelchen von der Aachener Roskapelle.

Nicht nur Heinz und Christiane Wimmer, auch die Bürgerschützen Montjoie und mit ihnen die begeisterten Senioren und Zuschauer bekamen einen Vorgeschmack auf das, woran sich alle festhalten – an einen Ausblick auf eine wunderschöne Monschauer Kirmes 2021: Möge sie uns alle entschädigen für die zahlreichen Feste, die in diesem Jahr ausfallen mussten!