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Der Volkstrauertag blickt nicht nur zurück, sondern auch auf Gegenwart und Zukunft (16. November 2014)

Der Ortsvorsteher der Monschauer Altstadt Georg Kaulen hielt eine berührende Rede. Kranzniederlegung am Ehrenmal

Monschau. An einem grauen und verregneten Novembertag begrüßte Ortsvorsteher Georg Kaulen am Ehrenmal nahe der alten Pfarrkirche seine Monschauer Bürger zur Gedenkfeier am diesjährigen Volkstrauertag. Unter der Mitwirkung der Ortsvereine fand in der Kirchstraße eine würdige Veranstaltung statt.

Verregnete Gedenkfeier
Verregnete Gedenkfeier

Das Jahr 2014 ist sicherlich ein Jahr der Erinnerung und der Gedenkfeiern. Vor 100 Jahren begann mit dem Ersten Weltkrieg ein Niedergang der europäischen Kultur mit langfristigen Wirkungen, erst vor kurzem hat die Stadt Aachen an ihre Befreiung vom NS-Regime vor 70 Jahren erinnert, zur Zeit sind die Radio-  und Fernsehprogramme voll und feiern, dass vor 25 Jahren die Mauer fiel und damit der Irrsinn der deutsch-deutschen Grenze ein Ende fand. Deutschland befindet sich 2014 in „Gedenk- und Erinnerungslaune“, wie vor kurzem ein Historiker feststellte. Welche Bedeutung hat in diesem breiten Gedenkangebot heute noch der Volkstrauertag, also jener Tag, den der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1919 als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen hatte? Ein Tag, der ab 1926 offiziellen Charakter erhielt, in der Zeit der Nazi-Diktatur dann als „Heldengedenktag“ pervertiert und instrumentalisiert wurde und später dann – gegen viele Widerstände – der Opfer beider Weltkriege und allgemein den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet wurde.

Ortsvorsteher, Feuerwehr und Fahnenträger
Ortsvorsteher, Feuerwehr und Fahnenträger

Angesichts der zahlreichen Gedenkanlässe in diesem Jahr begegnete auch Ortsvorsteher Georg Kaulen die Frage eines „Gedenkmüden“: Warum denn noch heute das Gedenken an die zwei vergangenen Kriege? Sei das nicht alles schon so lange her?

Doch der Volkstrauertag hat in seiner Bedeutung nicht nur eine Verschiebung, sondern vor allem eine Erweiterung gefunden. Es gehe, so Kaulen, nicht „nur“ um die Toten der vergangenen beiden großen Weltkriege.

Er erinnerte in dem Zusammenhang der Jubelfeiern rund um den Mauerfall an die Toten, die die deutsch-deutsche Grenze während der langen Zeit ihres Bestehens gefordert habe. Bei aller Feierfreude und allen Rückblicken solle dieser Aspekt nicht vergessen sein: „Und gerade die Tatsache, dass die genannten Zahlen der Mauertoten nicht genau bemessen werden können, zeigt uns doch, dass dort nicht nur Unrecht geschehen ist, sondern die Verantwortlichen darüber hinaus versucht haben, das Geschehene zu verschleiern.“ Damit schlug Kaulen einen Bogen zur Gegenwart, zum Beispiel zu den Ereignissen in Palästina und der Ostukraine. Auch hier würden täglich Menschen ihr Leben lassen – die Verantwortlichen würden auch hier die Spuren ihrer Taten verwischen und hätten aus der Vergangenheit offensichtlich  nicht gelernt, „welches Unrecht mit bewaffneten Konflikten einhergeht und welches Leid dadurch entsteht“.

Kranzniederlegung
Kranzniederlegung

Nach der rituellen Kranzniederlegung sprach Kaulen das Gebet der Vereinten Nationen und unterstrich damit den Anspruch der Gedenkveranstaltung, zeitlos und in die Zukunft gerichtet sein zu wollen. Das Gebet stammt aus dem Jahr 1942 – und war damit in der Mitte des Zweiten Weltkriegs auch eine Reflexion der eigenen Zeit und des damals gegenwärtigen Wunsches nach einer besseren und friedlicheren Zukunft. Mit Blick auf alle Nationen verweist es auf die Verantwortung der Menschen für die Erde: „An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnloser Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.“ Ein Appell verweist auf die immer aktuelle Aufgabe des Menschen: „Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.“

Bürgerschützen und Musikvereinigung
Bürgerschützen und Musikvereinigung

Kaulen bedankte sich bei allen Anwesenden für Ihr Erscheinen, insbesondere den Vereinen, wie der Musikvereinigung Montjoie, dem Trommler- und Pfeiferkorps und dem Kirchenchor für ihre musikalische Unterstützung.