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Vom Bierkönig zur Schützenmajestät: Monschauer Kirmes (12. – 16. September 2014)

Monschau. Als sich Hermann I. (Weiß) als König von seinen Bürgerschützen verabschiedete, war seine Stimme merklich belegt, zu stark war der Moment der Rührung: „Es war mir eine Ehre, König einer solch tollen Truppe sein zu dürfen“, sagte er schließlich, bedankte sich auch bei allen Ortsvereinen, die ihn bei mehreren Feierlichkeiten begleitet hatten. Dann hatte Vereinspräsident Georg Kaulen Erbarmen und ließ der Majestät 2013 das schwere Königssilber abnehmen – eine Kette von circa 13 Kilogramm Gewicht.

Vor dem Schießen
Vor dem Schießen

Am Schießplatz Burgau galt es an diesem Kirmessamstag einen neuen König zu ermitteln. Und nicht Wenige aus dem zahlreich erschienenen Publikum erwarteten den Wettkampf mit Spannung, denn schon im Vorfeld hatten sich ernsthafte Aspiranten gemeldet, die es diesmal schaffen wollten. Vogelbauer Georg Foerster und Schießleiter Christoph Breuer sorgten für eine sichere Montage des massiven Tieres. Nachdem Vereinspräsident Georg Kaulen die Schießordnung verlesen hatte, konnte es endlich losgehen. In Stellvertretung der Bürgermeisterin schoss er dem Vogel gleich den Kopf weg. Auch die Majestät des gerade abgelaufenen Schützenjahres machte sich bei ihrem Ehrenschuss wörtlich alle Ehre.

Mehr als 20 Schützen traten in Folge an, beim zweiten Durchgang waren immerhin noch zwölf Schützen dabei. An seinem Ende hatte der Vogel bereits 39 Schüsse verkraftet, zu diesem Zeitpunkt war sein Vorgänger letztes Jahr schon gefallen. Aber dieses Vieh entpuppte sich als äußerst zäh. Im dritten Durchgang waren noch sieben Bürgerschützen dabei, ab dem sechsten Durchgang hatten sich die ernsthaften Aspiranten herausgeschält: Ralf Weishaupt-Ungermann, Bernd Maaßen, Klaus Stollenwerk und Ralf Grefen. Letzteren, der erst vor kurzem Mitglied des Schützenvereins geworden war, hatten dabei wohl die Wenigsten auf der Rechnung gehabt; die drei anderen waren schon bei vorherigen Wettkämpfen angetreten.

Anlegen der Königskette
Anlegen der Königskette

Einmal ging ein lautes Raunen durch die Menge, als Klaus Stollenwerk die größten Teile des verbliebenen Vogelrumpfes herunterholte. Der Präsident aber gab sofort Entwarnung: Da hing noch ein gut handgroßes Stück Holz an der Schraube. Bis nicht das letzte Stückchen herunter war, konnte man niemanden zum Sieger erklären. Und so zog sich der Wettkampf dahin und die Kandidaten wurden zunehmend nervöser – immer mehr Schüsse schlugen neben dem Holzstück ein.

Majestät und Vorstand
Majestät Ralf II. (Grefen) und Vorstand

Dann – im mittlerweile 23. Durchgang und mit dem 126. Schuss – erlöste Ralf „Übbes“ Grefen das Publikum und holte den letzten Fetzen herunter. Nun konnte endlich gefeiert werden. Hatten sich die drei Mitaspiranten schon während des Schießens als faire Sportsmen gezeigt, so waren sie nun die Ersten, die dem Sieger ihre Glückwünsche überbrachten.

Musiker Jubelzug
Musiker Jubelzug

In einem Triumphzug ging es nun durch die Altstadt. Und nach Monschauer Sitte kamen die Wirtsleute, um den Mannen der Freiwilligen Feuerwehr, der Abordnung des TuRa Monschau und den musizierenden Vereinen (Trommler- und Pfeiferkorps Imgenbroich/ Monschau und Musikvereinigung Montjoie) Erfrischungsgetränke und andere Stärkungen zu reichen. Vor der Feuerwehr wurden Ralf II. und sein Gefolge mit lautem Signalhorn begrüßt. Besucher schauten verdutzt, aber angenehm überrascht auf die Monschauer Traditionen.

Jubelzug durch die Stadt
Jubelzug durch die Stadt

Unter den Touristen fand sich eine Gruppe aus einem Schützenverein aus Kapellen bei Neuss. „So etwas sollten wir bei uns auch einführen!“, war die spontane Reaktion. Als sie dann noch erfuhren, dass der Schützenkönig bei uns sozusagen „nix kostet“, schüttelten sie ungläubig den Kopf. „Also bei uns fängt der Schützenkönig so bei circa 15000 Euro an“, berichteten sie: „Deshalb ist es für uns auch gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der das Amt noch haben will.“ Solche Sorgen hat man in Monschau – der Vereinssatzung sei gedankt – nicht.

Ordensübergabe
Ordensübergabe

Die feierliche Inthronisation erfolgte im Kolpinghaus. Ganz zentral hatte Ehrenmitglied Christian Waldeck den Königstisch platziert. Hier überreichte Georg Kaulen als Ortsvorsteher der Altstadt Glückwünsche und Präsent im Namen der Stadtverwaltung. Als Schützenpräsident legte er der neuen Majestät einen wunderbar gearbeiteten Königsorden um – eine Replik aus dem Jahr 1785. „Unser Übbes“, wies Kaulen auf eine Besonderheit hin, „ist der erste Schützenkönig, der auch Bierkönig war!“.

Majestät Ralf II. (Grefen)
Majestät Ralf II. (Grefen)

Der Präsident der Bierkönig-Gesellschaft erwiderte die Freundlichkeiten und gewann schnell die Herzen seines Publikums. Er bedankte sich bei allen unterstützenden Ortsvereinen und berichtete vom Schießwettkampf: „Wenn du dann einmal dabei bist, willst du so schnell auch nicht aufhören.“ Schließlich habe das Ding endlich herunter gemusst. Da nun dieser Traum für ihn in Erfüllung gegangen sei, fehle jetzt nur noch, dass sein Verein FC Schalke 04 Meister werde (derzeitiger Tabellenplatz: 16). „Jetzt lasst uns die Sau durchs Dorf jagen!“, forderte er sein Publikum zum Feiermarathon auf.

Seit der Jubiläumskirmes 2011 wieder (alte) Sitte, wurden den erfolgreichsten Sportschützen der Bürgerschützen die Siegerpokale überreicht. Präsident Kaulen wies darauf hin, dass die Bürgerschützen eben nicht nur ein reiner Feierverein, sondern auch ein Schießsportverein waren und sind. In diesem Zusammenhang zeichnete er Georg Foerster als den Trainingsbesten unter den Kleinkaliberschützen mit einem Pokal aus. Für den verhinderten Peter Dick, der beide Meisterschaften – die Vereinsmeisterschaft (stehend und liegend) und den Liegend-Wettkampf nach den Vorschriften des Rheinischen Schützenbundes – gewonnen hat, nahmen seine beiden Söhne Benjamin und Florian die Pokale stolz in Empfang. Die eigentliche Jahressiegerehrung erfolgt bei den Sportschützen erst Mitte Oktober, wenn die neue Schießsaison eröffnet wird.

Zu lange in die Nacht hinein feierten dann doch nicht alle, denn am nächsten Morgen in der Früh ging die Kirmes bereits weiter.

Das Wecken der Altstadtbewohner begann traditionsgemäß um sechs Uhr am Morgen. Musiker des Trommler- und Pfeiferkorps und einige Schützen marschierten gemeinsam durch die Altstadt und machten an einigen ausgesuchten Stationen Rast. Ex-Majestät Hermann I. hatte gemeinsam mit Lutz Schell auf der Terrasse des Hotel Horchem mit Blick auf die Rur das Frühstück mit Rührei eröffnet.

Libaratusprozession
Libaratusprozession

Nicht viel später traten die Monschauer Bürger den Gang in die Messe an, dem eigentlichen Herzstück der Kirmes (Kirchweihmesse). Männer der Feuerwehr sowie Vereinspräsident Kaulen und Geschäftsführer Ralf Kaulen trugen den Schrein des Stadtpatrons, des heiligen Liberatus, im Anschluss während der Prozession von der Aukirche in die alte Pfarrkirche. Danach traf man sich beim Kirmesfrühschoppen im Kolpinghaus. Der Vereinspräsident und die neue Majestät freuten sich darüber, dass dieser Frühschoppen außerordentlich gut besucht war. Auch hier sorgten die Musiker der Musikvereinigung Montjoie wieder für eine perfekte Untermalung und gaben auch moderne Musikstücke zum Besten. Die Stimmung war hervorragend; man kann durchaus sagen, dass seit der vergangenen Kirmes der Kirmesfrühschoppen eine Wiederbelebung erfahren hat.

Ermittlung des Bierkönigs
Ermittlung des Bierkönigs

Am Montag darauf gab es zwei Programmpunkte, die für nicht Wenige zum Pflichttermin geworden sind: Am Nachmittag der mittlerweile einzige Punkt, der die Kirmes mit den Kindern noch verbindet – die Kinderbelustigung, wenn der neue König den Kindern Freifahrscheine für die Fahrgeschäfte schenkt. Am frühen Abend bis in die Dunkelheit dann das Auswerfen des neuen Bierkönigs auf der evangelischen Brücke. Hier war erneut zu beobachten, wie stark Schützen und Bierkönig-Gesellschaft mittlerweile zusammengerückt sind. Da passt es hervorragend, dass der Präsident der Gesellschaft auch amtierender Schützenkönig ist. Maxwell de Farias und Nathalie Förster konnten sich übrigens am Ende durchsetzen und wurden das Königspaar 2014 – für Maxwell bereits der zweite Titel, Nathalie feierte ihre Bierköniginnen-Premiere.

Den Abschluss der diesjährigen Kirmes markierten wieder der Königsfrühschoppen für die Schützen und der Damenkaffee für die Frauen der Schützen. Hier hielt die neue Königin Ulrike (Meininghaus) Hof.

Die Bilanz der Kirmes muss positiv ausfallen: Das Wetter war ideal, die Veranstaltungen gut besucht, die Stimmung hervorragend.

Und dabei hatte diesmal alles etwas anders begonnen: Am Freitag vor dem Kirmeswochenende hatte es nach langer Zeit keinen Kinderfackelzug mehr gegeben. Die Schützen hatten sich auf einer Mitgliederversammlung dafür entschieden, weil sich kaum noch Kinder fanden, die sich daran beteiligten. So war man dazu übergegangen, die Kirmes 2014 mit einem großen Fackelzug der Schützen am Abend einzuleiten. Vierzig Schützen hatten sich daran beteiligt und waren durch die Altstadt gezogen. Gefolgt von der Monschauer Bevölkerung, waren sie am Ende ihres Zuges in die Markthalle gezogen, wo man gemeinsam einen Kirmesball mit Musik und Tanz feierte. Das „Starlight Project“ hatte für die passende Musik gesorgt. Bis spät in die Nacht wurde hier geredet, getanzt und gemeinsam getrunken.

Königspaar
Königspaar

Dem „Monschauer Jung“ Übbes ist eine schöne Zeit als Schützenkönig zu wünschen! Die Einleitung zu seiner Regentschaft hätte nicht besser sein können!