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Gedenken für die Zukunft (18. November 2012)

Bürger Monschaus verstehen den Volkstrauertag als Mahntag für Gegenwart und Zukunft. Bürger und Ortsvereine versammeln sich am Ehrenmal

Monschau. Bei diesigem Nieselregenwetter versammelten sich am Volkstrauertag Monschauer Bürger und Ortsvereine am Ehrenmal nahe der Pfarrkirche, um gemeinsam mit ihrem Ortsvorsteher Georg Kaulen der Toten zweier Weltkriege zu gedenken. Der aktuelle Bezug zu Krieg und Elend in der Welt war dabei für jeden greifbar.

Wie erinnert man 67 Jahre nach Kriegsende ein Geschehen, das nur noch wenige Menschen aus eigenem Erleben kennen? Wie trauert man um Menschen, deren Namen zwar in Stein gemeißelt stehen, mit denen selbst man aber keine Erinnerung verknüpft? Welche Berechtigung hat von daher heute noch ein Volkstrauertag? Diese Fragen stellte der Ortsvorsteher der Monschauer Altstadt den versammelten Bürgern, als man sich gemeinsam zu einer kurzen, aber würdigen Gedenkveranstaltung eingefunden hatte: "Ergreift uns und die nachfolgenden Generationen das Leid und die Grausamkeiten des Krieges noch ausreichend, um überzeugt Arbeit für den Frieden leisten zu können?" Außerordentlich wichtig sei es, nicht nur zurück zu schauen, sondern auch den aktuellen Bezug eines solchen Tages zu verstehen. Hinter den zahllosen Meldungen in den Medien, die uns von Bürgerkriegen, genauso aber von Unterdrückung, Not und Elend berichten, stünden immer auch Einzelschicksale.

Der Volkstrauertag, so Kaulen, fordere uns auf, "unsere Lebenswirklichkeit heute kritisch zu prüfen, etwa in Bezug auf die vielen Vorurteile zwischen Nationen, Völkern und Religionen, die abgebaut werden müssen". Dazu betreibe der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vier Jugendbegegnungsstätten nahe Polen, in Belgien, in den Niederlanden und in Frankreich, wo die Jugendlichen über die aktive Beteiligung an der Gräberpflege Gelegenheit fänden, staatenübergreifende Kontakte mit ehemaligen Kriegsgegnern zu schließen. Kaulen setze vor allem auf die Jugend, um zum großen und immer wieder aktuellen Ziel der Völkerverständigung zu gelangen. Solange es keinen Frieden in der Welt gebe, sei ein Tag, an dem das Volk trauert und der Toten gedenkt, immer aktuell: "Rund 6000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr leisten zur Zeit an der Seite verbündeter Streitkräfte einen gefährlichen Dienst im Ausland; über 100 Bundeswehrangehörige haben dabei bisher ihr Leben verloren." Der Volkstrauertag sei auch für sie da, als ein "Tag der Selbstkritik und der Mahnung, aber auch der Hoffnung und Zuversicht für eine friedliche Zukunft!"

Unter Mithilfe der Musikvereinigung Montjoie, des Kirchenchors und der Freiwilligen Feuer und der Anwesenheit der Mitglieder des VdK und der Bürgerschützen Montjoie wurde eine traditionelle Gedenkfeier auch zum Nachdenken über Gegenwart und Zukunft. Der Volkstrauertag, während des Nationalsozialismus als "Heldengedenktag" missbraucht, ab 1952 wieder eingeführt, um sich an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern, ist zu einem Tag des Innehaltens geworden. Das "Lied vom guten Kameraden" bezieht sich längst nicht mehr auf die in den Weltkriegen gefallenen Soldaten, sondern umfasst alle Menschen dieser Welt, die Opfer wurden und sind.

Nach den Feierlichkeiten und der Kranzniederlegung kehrten die Bürgerschützen mit ihrer amtierenden Majestät Peter IV. (Kutsch), dem Präsidenten Georg Kaulen sowie dem Ehrenkönig Heinz Mertens ins "Alt Montjoie" ein, um dort gemeinsam ein paar Getränkerunden zu verbringen.