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"Das Feuer bewahren" - Peter Kutsch ist der neue Schützenkönig von Monschau (02. September 2012)

Jungschützenkönig wieder öffentlich ausgeschossen. Inthronisation und Auszeichnungen auf dem Marktplatz in der Altstadt

Tura Kinder

Monschau. "Wie meine Regentschaft begonnen hat, wird sie auch enden: bei Sonnenschein!" So lauteten die Worte des Jubiläumskönigs Georg II. (Kaulen) bei seiner Verabschiedung. Er zog eine durchweg positive Bilanz seiner Herrschaft und fand lobende Worte für die Ortsvereine, ohne deren Mittun die Veranstaltungen Schützenfest und Monscher Kermes nicht denkbar wären. Mit Bezug zum jetzigen Schützenfest lobte er vor allem, dass die Tura-Kinder mit ihren geschmückten Fahrrädern eine schöne alte Tradition wieder aufgenommen haben. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass "viele Aspiranten um meine Nachfolge kämpfen werden." Sprach's und ward der schweren Königskette entkleidet. Des einen Amtes entledigt, übernahm Kaulen sofort wieder sein gewähltes - das Präsidentenamt - und führte seine Schützen zum Schießplatz Burgau.

Patrick Baales empfängt die Jungschützenkette

Dort wurde zunächst der neue Jungschützenkönig ermittelt. Die letzten Jahre hatte man dieses Amt auf dem Familienwandertag ausfechten lassen. An alte Traditionen anknüpfend, wollte man auch diese Majestät wieder mehr ins Zentrum der Beachtung verlagern. Nun also wird der Kampf mit dem Kleinkalibergewehr auf der Burgau kurz vor dem großen Königsvogelschießen ausgetragen. Vier Kandidaten hatten sich eingefunden: Oliver Mertens und Nico Böhmer von der Freiwilligen Feuerwehr sowie Christian Kutsch und Patrick Baales. Letzterem gelang schließlich der Sieg mit dem 35. Schuss, der den Vogel wortwörtlich von der Stange holte. Unter großem Jubel wurde der neue Jungschützenkönig gefeiert und darf nun bei allen Veranstaltungen des Schützenjahres 2012/13 die neue Majestät begleiten. Diese allerdings musste erst noch gefunden werden.

Jubel beim neuen Schützenkönig Peter IV. (Kutsch)

Das Königsvogelschießen begann mit dem Ehrenschuss im Namen des Bundespräsidenten. Wieder einmal beeindruckte Monschaus stellvertretender Bürgermeister Peter Theissen durch seine Treffsicherheit, indem er das Zepter vom Vogel herunterholte. Die Antwort gab der Präsident der Bürgerschützen mit seinem Ehrenschuss, der den Kopf vom Rumpf des hölzernen Tieres trennte. Sein nächster Schuss als scheidende Majestät beseitigte noch den Reichsapfel. Nun durften sich die Schützen versuchen und lieferten sich einen äußerst spannenden Kampf, der den Zuschauern viel abverlangte. Im dritten Durchgang waren noch sieben Bewerber im Rennen, als Peter Kutsch Tatsachen schuf: Mit dem 55. Schuss aus der lauten Donnerbüchse machte er sich zum Schützenkönig von Monschau. Eine lange Schlange von Gratulanten hatte sich schnell gebildet. Dann endlich erhielt er die Königskette als äußeres Zeichen seiner repräsentativen Macht.

Schnäpschen und
Erfrischungen für den König

Nachdem er als Peter IV. und der neue Jungschützenkönig als Patrick I. die erste Parade abgenommen hatten, setzte sich der Jubelzug in Bewegung. Für die prächtige Stimmung hatten nicht nur die Freiwillige Feuerwehr, die Kinder und Mitglieder des Tura und die Bierköniggesellschaft, sondern vor allem auch die Musiker des Trommler- und Pfeiferkorps Imgenbroich/ Monschau und der Musikvereinigung Montjoie gesorgt. Bei strahlendem Sonnenschein zog man nun Richtung Marktplatz. Natürlich musste immer wieder an vielen Stellen Halt gemacht werden, damit die Majestäten die zahlreichen Beglückwünschungen entgegen nehmen konnten. Die Gastronomen ließen sich Ehre und Freude nicht nehmen, den neuen Schützenkönig und dessen Gefolge großzügig zu bewirten.

Am Roten Haus dann eine Unterbrechung. Zwischendurch hatte man dem König seine Frau Claudia zugeführt - nun wurde der traditionelle Schneewalzer getanzt. Die Musiker wollten gar nicht mehr aufhören und zwangen dem schönen Paar immer und immer wieder eine neue Runde auf.

Schließlich aber zog man zum Marktplatz, wo die Inthronisation stattfinden sollte - mitten in der Altstadt unter freiem Himmel. Das war auch mit ein Grund, weshalb man sich seitens des Vorstands für die Trennung von Schützenfest und Kirmes entschieden hatte. Der Marktplatz sollte frei sein für eine mögliche Inthronisation im Freien - vor und mit allen Monschauern, die Lust am Feiern hatten. Die Bedingung für das Gelingen war natürlich gutes Wetter, sonst hätte man ins Kolpinghaus ausweichen müssen. Aber Petrus spielte an diesem Tag mit und so konnte man zwischen vielen Monschauern und Besuchern von außerhalb das Fest als Volksfest begehen. Gegen 18 Uhr erfolgte die offizielle Inthronisation der beiden neuen Majestäten.

Inthronisation des Schützenkönigs Peter IV. (Kutsch)

In seiner Rede wünschte Schützenpräsident und Ex-Majestät Georg Kaulen seinem Nachfolger "ebenfalls ein Sonnenjahr" und überreichte ihm strahlend den Königsorden 2012. Dem Publikum musste er den neuen König kaum vorstellen, denn in Monschau ist Peter Kutsch wohl bekannt: auf der Haag geboren, nun wohnhaft in Menzerath, als Architekt nicht nur des Altenheims hat er einen guten Namen. "Es war ein harter Kampf", so Kaulen, "aber dass Peter zwei seiner Mitbewerber um die Königswürde nun zu seinen Adjutanten gemacht hat, zeigt den Zusammenhalt unter den Bürgerschützen in besonderer Weise!"

Das Königspaar Claudia und Peter IV. (Kutsch)

Bezüglich des Schießens um den Jungschützenkönig zeigte sich der Präsident erfreut, dass sich vier Bewerber gefunden hätten: "Das lässt uns Bürgerschützen hoffen, dass wir auch in der Schießsportgruppe wieder Jungschützen begrüßen dürfen." Er überreichte Patrick Baales den Orden, der ihn zur Jugendmajestät macht. Beide Majestäten ließ man hochleben und schenkte ihnen Applaus und Begeisterung.

Der stellvertretende Bürgermeister Peter Theissen überbrachte die offizielle Gratulation der Stadt Monschau und zeigte sich angesichts der hohen Anzahl ernsthafter Aspiranten noch im letzten Durchgang begeistert: "Bitte ändert an euren Regularien gar nichts. Das Königsvogelschießen in Monschau ist etwas ganz Besonderes!" Er überreichte dem neuen Schützenkönig das Geschenk der Stadt, das traditionelle Schweizer Taschenmesser. Dieser erhob sich und wandte sich an die Menschenmenge: "Gestern Abend und heute Morgen war der Wunsch König zu werden noch gar nicht konkret", berichtete er, "Das hat sich erst während des Schießens ergeben." Und mit Blick auf seine neben ihm sitzende Frau: "Die Claudia hat davon noch gar nichts gewusst." Schützenkönig von Monschau zu sein, das sei ein tolles Gefühl, "sehr emotional!" Als er nach seinem Königsschuss seinen Vater mit Tränen in den Augen gesehen habe, habe er sich gedacht: "Junge, das hast du gut gemacht!" Und mit Bezug zum vaterstädtischen Traditionsverein, der immer wieder auf's Neue die Balance zwischen Tradition und den Anforderungen der modernen Zeit zu stemmen habe, zitierte er ein englisches Sprichwort: "Tradition ist nicht die Asche anzubeten, sondern das Feuer zu bewahren!" Für diese Worte erntete die neue Majestät nicht nur viel Applaus, sondern hatte sich auch viel Sympathie erwirtschaftet. Im Folgenden sprach er noch den teilnehmenden Orts- und Musikvereinen seinen tief empfundenen Dank aus und erwähnte auch die prächtig geschmückten Räder der Tura-Kinder, die ihn an seine Kindheit erinnerten.

Vereinsmeister Peter Dick

Präsident Georg Kaulen nutzte die große Öffentlichkeit der Veranstaltung, um die Sportschützen der Bürgerschützen mit Pokalen und Auszeichnungen zu ehren. Damit wollte er dafür sorgen, dass man erkenne, "die Bürgerschützen bewahren nicht nur die Tradition, sondern betreiben auch ernsthaft den Schießsport", was vielleicht ab und zu in Vergessenheit zu geraten droht. Die wohl wichtigste Auszeichnung erhielt "Serien-Vereinsmeister" Peter Dick. Der Schießleiter der Schießsportgemeinschaft hatte in diesem Jahr zum 14. Mal den Titel des Vereinsmeisters geholt. "Wenn er zum Schießen antritt, dann zittern die anderen Sportkameraden", so Kaulen augenzwinkernd. Als nächster Schütze trat Schießmeister Christoph Breuer vor, um die "Steigerungstafel" entgegen zu nehmen - mit ihr wird derjenige geehrt, der sich im Vergleich zum Vorjahr individuell am meisten gesteigert hat. Er nahm auch die dritte Auszeichnung entgegen. Stellvertretend für den verhinderten Georg Foerster, der nicht nur der Vogelbauer der Bürgerschützen, sondern darüber hinaus ein erfolgreicher Sportschütze seit Jugend an ist, nahm er den Trainingspokal entgegen, mit dem die beste Trainingsleistung honoriert wird.

Jubelzug durch Monschau

Und weil der Präsident schon dabei war, da zeichnete er auch noch Manfred Momberg für 25 Jahre Mitgliedschaft mit der silbernen Vereinsnadel aus. Der Schwiegervater der frisch gebackenen Majestät hätte eigentlich schon vorher diese Ehrung empfangen sollen, war aber sowohl am Familienwandertag als auch während der letzten Mitgliederversammlung verhindert und konnte nicht teilnehmen.

Gefeiert wurde noch bis in die späten Abendstunden. Die Bürgerschützen können zufrieden sein: Sie durften ein schönes Schützenfest bei tollem Wetter erleben. Sie haben einen würdigen Schützenkönig und vor allem wieder einen Jungschützenkönig. Mögen beide während der nächsten Schützenveranstaltungen so viel Glück mit dem Wetter haben wie der Jubiläumskönig Georg II. Der Anfang lief jedenfalls gut an.  

Die neuen Majestäten