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Gedenken und Ehrung an einem Vormittag (13. November 2011)

Bürgerschützen am Volkstrauertag. Medaille für Ehrenmitglied Pejo Weiß

 

Monschau.  „Weil die Toten schweigen, beginnt immer wieder alles von vorn“, zitierte Ortsvorsteher Georg Kaulen den französischen Philosophen Gabriel Marcel in seiner Rede am diesjährigen Volkstrauertag und schloss daran an: „Damit die Toten nicht schweigen, damit wir ihre Stimme hören, begehen wir alljährlich den Volkstrauertag.“

Volkstrauertag 2011
Feuerwehr, Bürgerschützen und Musikvereinigung Montjoie
Kranzniederlegung durch Ortsvorsteher Georg Kaulen

13 Bürgerschützen hatten sich gemeinsam mit Musikern der Musikvereinigung Montjoie, des Trommler- und Pfeiferkorps, einigen Abgeordneten des Kirchenchors und Mitgliedern des Löschzugs Altstadt der Freiwilligen Feuerwehr Monschau am Ehrenmal vor der alten Pfarrkirche versammelt, um der Toten, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden, zu gedenken. Ortsvorsteher und Bürgerschützen-Präsident Kaulen schloss dabei ausdrücklich „die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage“ mit ein. Er erinnerte an „die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung“ und an „die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren“. Und er erweiterte die Gruppe derer, die man an diesem Tage in seine Gedanken einschließen sollte, indem er an solche erinnerte, „die auch bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind“.

Ortsvorsteher Georg Kaulen
Ortsvorsteher Georg Kaulen
kleiner Chor der Aukirche und Trommler- und Pfeiferkorps
kleiner Chor der Aukirche und Trommler- und Pfeiferkorps

Die Bürgerschützen, die Vertreter der genannten Vereine und einige weitere Monschauer hörten der Rede ihres Ortsvorstehers aufmerksam zu und erlebten mit der Kranzniederlegung eine würdige Gedenkveranstaltung an diesem Vormittag des 13. November. Die Morgensonne tauchte das Geschehen in spätherbstliches Licht, die Temperaturen waren frisch, aber nicht unangenehm. Zuerst spielte die Musikvereinigung, dann sang der Kirchenchor auf den Treppen der Pfarrkirche; zuletzt spielten einige Trommler- und Pfeifer das „Lied vom guten Kameraden“. Dieses war auch Zentrum einiger Gedanken des Redners, der sich mit der Geschichte des Liedes eingehender befasst hatte: „Das Lied drückt die Verbundenheit mit dem Kameraden aus, der gefallen ist. Aber hat diese ursprüngliche Kameradschaft auch heute noch – im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen – einen Sinn?“ Mit seiner Erweiterung auf die allgemeinen Opfer von Krieg und Gewalt auf der ganzen Welt, nicht nur bezogen auf die beiden Weltkriege, sondern auch auf die Gegenwart, erweiterte er den Kameraden-Begriff. Nicht nur der Kamerad im Schützengraben, so wie einst nach dem Ersten Weltkrieg, sondern jeder Mitmensch wird auf diese Weise und nach diesem Verständnis zum Kameraden. Eine Interpretation, der sich auch die Kritiker des Liedes anschließen können.

Pejo Weiß mit  (v.l.n.r.) Ralf Kaulen, Georg Kaulen und Heinz Mertens
Pejo Weiß mit (v.l.n.r.) Ralf Kaulen, Georg Kaulen und Heinz Mertens

Vor der Veranstaltung am Ehrenmal durfte Kaulen eine weitere „angenehme Pflicht“ wahrnehmen; diesmal allerdings trug er seinen Schützenhut, denn er trat auf in seiner Eigenschaft als Präsident der Bürgerschützen Montjoie. Gemeinsam mit Vizepräsident und Ehrenkönig Heinz Mertens und Geschäftsführer Ralf Kaulen stattete er unserem Ehrenmitglied Pejo Weiß im Maria-Hilf-Stift einen Besuch ab. Anlass war die Übergabe der Medaille, mit der seit dem Jubiläum vom September die Ehrenmitglieder ausgezeichnet und für jeden sichtbar gekennzeichnet werden. Nachdem beim vergangenen Hubertusessen noch Klaus Kaulard die Medaille erhalten hatte, fehlte somit nur noch Pejo Weiß. „Mit zunehmendem Alter wächst auch die Zahl der Ehrungen“, kommentierte er humorvoll und fügte sogleich an: „Ich freue mich!“ Weiß ist das letzte noch lebende Mitglied jener Männer, die am 27. März 1952 den Verein wiederbelebten.

Dass er nach wie vor ein wahrer Bürgerschütze ist, machte er seinen Besuchern schnell klar: „Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, dieses Jahr König zu werden“, sagte er mit Augenzwinkern, „aber meine Angehörigen haben mir abgeraten.“ Seine Vorfahren seien alle Schützenkönige gewesen, nur er habe dieses Amt nie erlangt. Dafür aber war er über lange Zeit der Chronist und Historiker des Vereins; ihm haben wir unter anderem die Festschrift aus dem Jahr 1961 zu verdanken. Pejo Weiß ist verdienstvolles Ehrenmitglied und selbst ein Stück Bürgerschützen-Geschichte. Seine neue Medaille, das versprach er den Besuchern, werde er immer dann tragen, wenn er an den Veranstaltungen seines Vereins teilnehmen werde.

Ehrenmitglied Pejo Weiß
Ehrenmitglied Pejo Weiß