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Königsschießen

Präsident und Vizepräsident übernehmen die königliche Regentschaft.
Jubiläumskirmes der Bürgerschützen Montjoie bei sommerlichem Wetter (3. September 2011)

Monschau. An der diesjährigen Monscher Kermes ist vieles ungewöhnlich: Das Königsschießen fand an einem Samstag statt, es wurden gleich zwei Vogelschießen durchgeführt und mit Georg Kaulen und Heinz Mertens sind auch noch Präsident und Vizepräsident zu königlichen Ehren gekommen. Das Wetter sorgte für eine volle Altstadt.
Fast schon ungewöhnlich war auch das Wetter. Der meteorologische Herbstanfang schenkte den Monschauern strahlenden Sonnenschein und sommerliche Temperaturen: „Kaiserwetter!“, wie Vereinspräsident Georg Kaulen begeistert ausrief, aber das habe er ja schon vor Wochen vorhergesagt.

Heinz Mertens (links) und Klaus Kaulard

 

Die Jubiläumskirmes sollte den Bürgerschützen Montjoie gleich zwei neue Majestäten bescheren: den Schützenkönig, der jedes Jahr erneut ausgeschossen wird, um für ein Jahr die „Regentschaft“ über die Altstadt zu übernehmen, und den Ehrenkönig, der die alte napoleonische Kette bei Ehrenauftritten der Schützen trägt. Klaus Kaulard hatte dieses Amt neun Jahre lang mit Würde ausgeführt, denn dieser spezielle König wurde zuletzt 2002, zur 50jährigen Wiederbegründung des Vereins nach dem Krieg, ermittelt.

 

 

So hatte Vogelbauer Georg Foerster dieses Jahr also zwei massive Holzvögel konstruieren müssen. Die Monschauer, vor allem die Bürgerschützen selbst, erwarteten das diesjährige Vogelschießen auf dem Schießplatz Burgau mit einer ganz besonderen Spannung.

Heinz Mertens im Interview

Beim Schießen auf den Vogel des Ehrenkönigs zeigte sich sehr schnell, dass die Schützen es durchaus ernst meinten: Auf ihn dürfen nur ehemalige Schützenkönige schießen, und dieses besondere Amt ist sehr begehrt. Von den 24 noch lebenden Königen der Bürgerschützen durften 19 auf das Holztier halten, weil sie im Festzug mitgegangen waren, sie wurden namentlich mit ihrem jeweiligen Regentschaftsjahr aufgerufen. Der 28. Schuss brachte dann die große Überraschung: Heinz Mertens, die Majestät des vergangenen Schützenjahres, hatte erst vor wenigen Augenblicken das schwere Königssilber abgelegt und sich als Schützenkönig mit bewegter Stimme von seinen Schützen verabschiedet, durfte nun als Ehrenkönig die Arme hochreißen. Auf die normale Schützenkönigswürde hatte er fast zehn Jahre lang vergeblich geschossen, hier hatte es gleich beim ersten Mal geklappt: Für die nächsten fünf Jahre wird er der Ehrenkönig der Bürgerschützen sein.

Georg II. (Kaulen) mit Gattin Petra

Es folgte der zweite Wettbewerb. Bei den Monschauer Bürgerschützen gab es noch nie den Fall, nicht genügend Aspiranten auf das Amt des Schützenkönigs zu finden, denn hierfür muss man kein reicher Mann sein. Der Verein übernimmt die anstehenden Kosten der Regentschaft, und so hat jeder Schütze die Möglichkeit, sich ein Jahr lang feiern zu lassen. Der erste Stellvertretende Bürgermeister Monschaus, Höfens Ortsvorsteher und selbst Schützenkönig Peter Theißen, vertrat Margareta Ritter sehr würdig und schoss wie im letzten Jahr gleich mit dem Eröffnungsschuss dem Vogel den Kopf ab. Das Publikum verfolgte einen spannenden Wettkampf, bei dem die Aspiranten mit der lauten Donnerbüchse ihr Bestes gaben. Mit dem 57. Schuss im vierten Durchgang war die Entscheidung gefallen: Georg Kaulen, der Präsident des Vereins, hatte zum zweiten Mal seit 1998 die Königswürde erlangt und wird als Georg II. nun neben dem Amt des Ortsvorstehers auch das des Schützenkönigs von Monschau ausüben.

Der Jubelzug mit beiden Majestäten geriet zum Triumphzug. Da das Städtchen durch das sommerliche Wetter voller Touristen war, waren es nicht nur Monschauer, die staunten und zujubelten, als die Schützen, tatkräftig unterstützt von den Musikern des Trommler- und Pfeiferkorps Imgenbroich/ Monschau und der Musikvereinigung Montjoie und angeführt von der Freiwilligen Feuerwehr und des TuRa Monschau, durch die Straßen zogen. Für die Musiker geriet der Zug angesichts der hohen Temperaturen zum Leistungssport.

Georg II. (Kaulen)

Die Inthronisation der neuen Majestäten auf dem gut besuchten Marktplatz wurde zur Improvisation, denn diejenigen, die sie normalerweise vornehmen, waren nun selbst Könige geworden. Ralf Kaulen, Sohn des neuen Schützenkönigs, übernahm als Geschäftsführer des Vereins diese Pflicht mit Humor. Normalerweise überreicht auch der Ortsvorsteher dem König das Geschenk der Stadt, nun war der aber selbst Schützenkönig. Amtsvorgänger Alexander Lenders übernahm das gerne, verglich Georg Kaulen humoristisch mit Napoleon und führte aus: „Dass Georg zum zweiten Mal nach 13 Jahren Schützenkönig wird, ist so verwunderlich nicht, denn das Schild „Königsallee“ an seinem Haus hat er niemals abgehängt. Das Geschenk der Stadt, ein solides Taschenmesser, wird er sicher dafür verwenden, das Grünzeug der Altstadt zu stutzen.“ Und an den Jubiläumsverein gerichtet: „Monschau wäre ein ganzes Stück ärmer ohne seine Bürgerschützen!“

Diese Jubiläumskirmes wird diese und auch noch nächste Woche von einem Filmteam begleitet; alle Monschauer werden die Gelegenheit erhalten, die von den Bürgerschützen produzierte DVD käuflich zu erwerben. Lenders: „Mit Georg Kaulen als Hauptdarsteller wird der Jubiläumsfilm sicher den Oscar von Monschau erhalten!“

Die zahlreich versammelten Schützen, Monschauer Bürger und Besucher der Stadt zeigten sich begeistert, dass in diesem Jahr Inthronisation und Feier auf dem Marktplatz und damit in aller Öffentlichkeit stattfanden. Noch bis in die Nacht wurde bei Musik ausgiebig gefeiert. Jeder hofft, dass sich Petrus auch am nächsten Wochenende gnädig zeigt, wenn zahlreiche Vereine aus Belgien, Holland, England und der Region mit den Bürgerschützen im großen Jubiläumszug feiern wollen.